Wie es begann

Auszug aus der Festschrift des CVJM HOF anlässlich des 40. Jubiläums


Aus der Geschichte der älteren CVJM in Bayern wissen wir, dass ihre Entstehung eng mit der Erweckungsbewegung Ende des vorigen Jahrhunderts zusammenhängt. Was in der Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg in Hof an CVJM-Arbeit vorhanden war, liegt weithin im Dunkeln. Nur Spuren konnten wir finden; so sammelte etwa in den 20-iger Jahren der Bäckergeselle Hans Roßner einen Jungmännerkreis. Später traf man sich noch im kleinen Kreis und schloss sich der Gemeinschaft „Salem“ an, bis dann in der Nazizeit die CVJM-Arbeit ganz zum Erliegen kam. Der Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg geschah damals in Hof ganz anders als an vielen anderen Orten. Nach dem Zusammenbruch 1945 ging durch die Kirche und besonders auch durch die Jugend ein Aufbruch, ein Suchen und Fragen nach neuen Werten und dem Sinn des Lebens. In Hof war aber nicht zuerst ein Kreis von erweckten und gläubigen jungen Männern vorhanden, die sich zu einem CVJM zusammenschlossen, der Hauptanstoß zur Vereinsgründung ging wohl von dem damaligen Dekan Wiegel aus, des selbst einmal 1. Vorsitzender des CVJM München gewesen war. Er rief einen Kreis älterer Freunde, die in ihrer Jugend dem CVJM begegnet waren oder ihn in der Kriegsgefangenenhilfe des YMCA-Weltbundes erlebt hatten, zusammen und lud dazu auch einige junge Männer aus den Innenstadtgemeinden ein. Nach einem Vortrag von Jugendpfarrer Georg Schmidt (St. Michaeliskirche) unter dem Thema „Hat die Jugend eine Zukunft?“ wurde am 23. Februar 1947 der CVJM Hof gegründet.

Schon in den ersten Monaten seines Bestehens gab der CVJM ein gedrucktes Programm heraus, auf dem die St. Michaeliskirche abgebildet war. Ein Ausdruck dafür, dass der CVJM Hof von Anfang an eng mit der Kirche verbunden war, wie auch seine weitere Entwicklung von der gesamten evangelischen Jugend in Hof nicht zu trennen ist. Ein Freundeskreis unterstützte, vor allem finanziell, die Jugendarbeit des CVJM. Das Junge Pflänzchen wurde der Obhut von Pfarrer Gerhard Flothow, Religionslehrer an der damaligen Oberrealschule Hof und CVJMer aus Königsberg/Ostpreußen anvertraut. Die Verantwortung für den CVJM in den „Gründerjahren“ trugen außerdem Jugendwart Hans Gipser, Diakon Albert Kärner, Stud. Rat Rolf Buchard und Stud. Theol. Manfred Rüpplein. Anfang traf man sich jeweils Mittwoch und Sonntag abends im Behelfsheim im Lorenzpark (wo heute das Gemeindehaus St. Lorenz steht), bis man bereits im Mai 1948 in das Gebäude Marienstr. 5 umziehen konnte.

Trotz manchem Auf und Ab in den ersten Jahren, war die regelmäßige Gemeinschaft um das Wort der Bibel Mittelpunkt der Arbeit. Aber auch erste Ansätze für ein vielgestaltiges Programm an den Sonntagen waren zu erkennen. Ebenso soziale Dienste durch die Betreuung von Heimkehrern und regelmäßige Besuchsdienste im großen Flüchtlingslager Moschendorf. Eine breitangelegte Jugendevangelisation mit Pfr. Hermann Preiser – vom CVJM mitgetragen – erreichte weite Kreise der Hofer Jugend.

Als im Oktober 1950 Dekan Hans Weidinger als Jugendwart für das gesamte männliche Jugendwerk und den CVJM nach Hof gerufen wurde, fand er nur ein kleines Häuflein aktiver Mitarbeiter vor. In seinem ersten Monatsprogramm schrieb er dazu: „Auch für solche zahlenmäßig geringen Zusammenkünfte hat der Herr seinen Segen verheißen. Aber nun spricht Christus: Gehe aus ..., nötige sie herein zu kommen, dass mein Haus voll werde.“ Damit war die Wegrichtung seiner Arbeit für die nächsten Jahre gegeben. Das Schwergewicht lag zunächst in den vielen Jungen- und Jungscharkreisen, die in fast allen Kirchengemeinden des Stadtgebietes entstanden. Mit viel Liebe und Phantasie widmete sich Br. Weidinger dieser Breitenarbeit, um in fröhlichen Jugendstunden und auf Freizeiten die frohe Botschaft von Jesus zu sagen. Doch lag ihm auch der Jungmännerkreis des CVJM besonders am Herzen; ihn baute er zum Sammelpunkt und tragenden Kreis der gesamten Jugendarbeit aus. Die Teilnahme an größeren Treffen, besonders an den Pfingsttagungen in Bobengrün und den CVJM-Landestreffen, sowie die jährlichen Sommerfreizeiten waren wichtige Stationen für das langsame, aber stetige Wachstum der Gruppen und Kreise. Bis zu seiner Ausreise nach Chile im Frühjahr 1955 stand auch Pfr. Hans Hollederer als 1. Vorsitzender dem Jugendwart und seinen ehrenamtlichen Helfern tatkräftig zur Seite.

Ab 1951 wurde die Laienspielarbeit stärker ausgebaut. Eine eigene Spielschar des CVJM trat jedes Jahr mit Verkündigungsspielen an die Öffentlichkeit und konnte eine weitreichende Wirkung erzielen. Auch die Sportarbeit unter dem Zeichen des Eichenkreuz begann in bescheidenem Rahmen. 1954 entstand der CVJM-Posaunenchor und wuchs zu einem wichtigen Zweig der Arbeit heran. Am 06.12.1956 ist Diakon Hans Weidinger, ein außergewöhnlich begabter und begnadeter Jugendleiter, nach langer schwerer Leidenszeit heimgegangen. Sein Dienst im CVJM bleibt unvergessen! Damit schließt sich der Kreis der ersten Jahre einer aufblühenden CVJM-Arbeit in Hof. Hauptsache aber war und blieb die Botschaft von Jesus Christus und das ständige Bemühen, auf die verschiedenste Weise mit dieser Botschaft die Ohren und Herzen junger Menschen zu erreichen.